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So bringen unsere «Aktivierungs-Nischen» neues Leben in die Quartiere – ein Praxisbericht.

Kleiner Ansatz, grosse Wirkung. Unser neuartiges Konzept zeigt, wie aus Orten ohne Seele belebte Plätze und Zentren werden – und wie Bewohnerinnen und Bewohner selber frischen Wind in die unbelebten Ecken bringen.

Aktualisiert 27. Juni 2026

Der Spoiler für Schnellleser: Es braucht nicht immer den grossen städteplanerischen Wurf, um ein leeres Zentrum zu beleben. Das zeigt unser Schulterblick aus Zürich Witikon, das nicht länger nur Schlafdorf sein will.

Das Konzept der «Aktivierungs-Nischen» bringt frischen Wind in die Quartier- und Stadtentwicklung. Und richtet sich an alle Gemeinden und Organisationen, die wie der Quartierverein der schleichenden Anonymität eine belebte Kernzone entgegensetzen wollen.

Nischen als Möglichmacher

Ein Konzept, viele Resultate

Was zeichnen die verschiedenen Nischen aus? Es sind erstmals kleine Massnahmen, die den Alltag auffrischen, Begegnung schaffen und Veränderung sichtbar machen. Was die Massnahmen sind, haben die Bewohnerinnen und Bewohner selber entschieden (siehe dazu den verlinkten Beitrag zur Projektwerkstatt). So gibt es ein Baumprojekt für mehr Schatten, ein morgendliches Kafifenster oder ein herbstliches Drachenfest.

Was das Konzept leistet, lässt sich gut an drei Punkten erklären:

  • Erstens: Sie alle starten im kleinen Rahmen, getragen von einer Kerngruppe.
  • Zweitens: Sie sind direkt an einen Ort gebunden – und zwar innerhalb der Kernzone.
  • Drittens: Sie entfalten sie ihre Wirkung, weil die umliegenden Bewohnerinnen und Bewohner direkt einbezogen werden.

Damit dies gelingt, braucht es einen moderierten Prozess – in diesem Fall von der Projektleitung durch enovation.

Erfolgreiche Kombination

Aktivierte Nischen!

Definition: Kleine Nischen, die zusammen mit niederschwelligen Aktionen einen Stsrassenzug, ein Quartier oder einen Park beleben – und so leere Flächen oder ungenutzte Plätze beleben. Erfolgreich, wenn diese Massnahmen paritzipativ geplant und umgesetzt werden.

Quartier- und Stadtentwicklung: Kombinierbar mit Pocket Parks, die nach der Umgestaltung einen Ort zum Ausruhen, Spielen oder Treffen bieten. Ebenfalls geeignet in der Kombination mit Trittsteinen, die als ökologische Nischen eine Strasse beleben können.

Prozess und Wirkung: Bis die ersten Nischen mit Angeboten belebt werden, braucht es einen moderierten Prozess und eine aktive Projektleitung. Abhängig von der Grösse oder Komplexität sind erste Resultate nach drei bis sechs Monaten umgesetzt.

Ausgangslage

Belebung - unsere Zielvorgabe

In unserem Beispiel haben wir die Aufgabe, das Quartier Zürich-Witikon wieder zu beleben. Denn während das Quartier immer mehr Einwohnerinnen und Einwohner zählt, nimmt das Angebot immer stärker ab.

So gibt es beim Projektstart im Jahr 2025 für die Bevölkerung von rund 11 000 Personen kein Restaurant mehr, das am Abend geöffnet hat – und Vereine oder Berufstätige willkommen heisst.

Bildlegende: Wer Menschen erreichen will, muss auffallen. Unsere Plakate und Flyer tragen freche Sprüche, sind individuell (digital) gedruckt – für persönliche, unerwartete Ansprachen (Cringe war ein Catcher, v.a. bei den Älteren).

Diese Entwicklung zum Schlafort zieht sich schon über mehrere Jahre hin. Deshalb haben wir auf Basis einer breit angelegten, bereits existierenden Umfrage und mit Blick auf die städtebaulichen Rahmenbedingungen und vorhandenen städtischen Berichte zusammen mit den Fachpersonen eine These entwickelt, an welchen Orten sich Aktivierungsnischen umsetzen lassen – und das zwingend gemeinsam mit der wohnenden Bevölkerung. 

Schulterblick

Leitfaden für aktivierte Nischen

Das Konzept kleinräumiger Nischen ist auch aus in der Ökologie bekannt und vernetzt kleine Biotope für mehr Biodiversität. Wir haben dieses bei enovation auf den Sozialraum adaptiert, denn aus unserer Erfahrung sind es gerade kleinteilige Interventionen, die einen Strassenzug oder ein Quartier beleben.

Mit diesem Leitfaden haben wir die Nischen für das Unterdorf von Witikon aktiviert:

  1. Die Rahmenbedingungen kennen: Was sind die Bedürfnisse aus der Bevölkerung, was sind die (erwarteten) städtebaulichen Entwicklungen in den nächsten Jahren?
  2. Konzept – was wir leisten wollen: Wir haben ein flexibles Konzept entwickelt, das die Erkenntnisse aus den Analysen als Thesen testet – und gleichzeitig offen bleibt für neue Ideen und Projekte aus dem Quartier (siehe z.B. Dormarkt).
  3. Kommunikation  – keine Wirkung ohne Kreativität: Im Gegensatz zu früheren Initiativen haben wir auf frische Botschaften und aktivierende Aufrufe gesetzt. Denn wer Menschen erreichen will, muss sichtbar sein – und dazu auffallen (auf allen möglichen Kanälen).
  4. Partizipation auf allen Kanälen möglich machen: Wir haben die Massnahmen so abgestimmt, dass die Menschen sowohl persönlich wie auch digital ihre Ideen einbringen konnten: zu ihrer Zeit, auf ihrem Kanal. Besonders wichtig: Die einzelnen Projekte und Projektgruppen kommunizieren ihre Meilensteine auf einer öffentlichen Website – die sich mittlerweile zur eigenständigen Plattform für das Quartier entwickelt hat.
  5. Aktivierung für Projekte: Ideen haben viele, Mitmachen wollen naturgemäss wenige. Wir wir mehr als 60 Personen aktiviert haben, lesen Sie in unserem Beitrag über die Projektwerkstatt.

Schnelle Erfolge

Hohe Beteiligung, viel Engagement

Die kombinierte Strategie der Aktivierung hat sich bewährt, dies lässt sich als erstes Fazit nach sechs Monaten ziehen. So konnten allein am Dorfmarkt (Bild siehe oben) mehr als 40 konkrete Ideen gesammelt werden und es wurden mehr als 80 Bewertungen abgegeben.

Von der Aktivierung zur Umsetzung

Leere Whiteboards? Das muss nicht sein, wie das Beispiel oben im Bild zeigt. Aber auch die Online-Umfrage mit entsprechenden Aushängen oder auch die Möglichkeit, auf einer eignen Projektseite mitzumachen, haben schlussendlich mehr als 60 Personen jeden Alters motiviert, aus Ideen konkrete Projekte zu entwickeln – und sich regelmässig an Quartier-Stammtischen zu treffen und sich mit den anderen Projektgruppen zu koordinieren.

Bildlegende: Fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaftszentrum, das die Infrastruktur gestellt hat – und dank der Initiative so das Unterdorf von 7 bis 9 Uhr belebt hat. Die Gruppe Kafifenster besteht aus einen Projektgötti, vier Bewohner:innen als Kernteam  und einem zusätzlichen Helferpool. Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt im Mai hat das Team entschieden, das Angebot auch im Herbst zu gestalten. 

Dabei zeigt sich einmal mehr, wie wichtig bei komplexen Problemen eine interdisziplinäre Herangehensweise ist. Wer ohne Scheuklappen und offen an die Aufgabe herangeht, findet Lösungen, die sich erst im Gespräch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ergeben – denn sie sind es, die die Nischen mit Leben füllen (werden).

Erfolgreiche Initiative

Projekte, Personen, Perspektiven

Diese Meilensteine und Erfolge haben wir zusammen mit den Macherinnen und Machern aus Witikon erreicht:

  • Aktivierung: Mehr als 80 Projektideen gesammelt (schriftliche Befragung, online-Befragung, Bewertung an Dorfmarkt und an Projektwerkstatt), Stand an Dorfmarkt mit Plakaten und Thesenboard, Veranstaltung mit mehr als 60 Personen.
  • Entwicklung: Bewertung von Projekteideen mit Vorauswahl an Projektwerkstatt, Auswahl von fünf Themen, Priorisierung von 10 Projekten, Initialisierung der digitalen Plattform «Quartier-Kompass».
  • Umsetzung: Knapp ein halbes Jahr nach der Projektwerkstatt hat mit dem Kafifenster die Initiative erste Früchte getragen, die Projekte sind so getaktet, dass jeder Monat mindestens ein neues Angebot hat.

Die Initiative hat einen grossen Zusammenhalt innerhalb der Projektgruppen geschaffen, was die Basis bildet, dass sie auch im kommenden Jahr aktiv bleibt.

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