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Ausgeträumt? Was die Energiewende jetzt braucht

Wieso die Energiewende nur schwer in Fahrt kommt und wieso es nicht (nur) um Technologie geht, sondern das Ergreifen von Chancen.

Es ist gerade gut ein Jahr her, dass unser Energieexperte für das Magazin energieinside über E-Methanol geschrieben hat. Sein Titel: «Stoff der Träume». Der Inhalt: Hat der synthetische Alkohol die Kraft, die Energie- und Mobilitätswende zu verändern?

Ein Jahr später zeigt sich: Es stockt und harzt an allen Ecken und Enden. Nicht nur E-Methanol hat es schwer. Die Schwierigkeiten vieler Power-to-X-Projekte legen ein grundsätzliches Problem der Energiewende offen. 

Das zeigt (auch) der aktuelle Barometer des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie (VSG):

  • Das technische Potenzial ist da, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fehlen jedoch vielerorts. So sind viele Projekte im Bereich der internationalen Schifffahrt entweder verzögert oder ganz eingestellt.
  • Selbst eine CO2-Abgabe von CHF 200 pro Tonne würde gemäss Barometer die Wirtschaftlichkeit synthetischer Alternativen nicht entscheidend verbessern (zum Vergleich, private Personen kompensieren ihre Flüge mit rund 40 Franken pro Tonne, die staatliche Abgabe in der Schweiz beträgt CHF 120).
  • Der Kostendruck wird als Resultat auf die Anlagenbetreiber weiter zunehmen – und damit deren wirtschaftlichen Betrieb entweder stark beeinträchtigen oder gar verunmöglichen.

Als alter Kompogäsler blutet bei diesen Aussichten natürlich das Herz. 

Das Stocken hat System, der nötige Schwung auch

Auch wenn ich die Branche mittlerweile v.a. aus der Ferne betrachte, zeigen sich im Zustand der aktuellen Zahlen die grundsätzlichen Probleme der Branche, und damit auch der Energiewende:

  1. Nach wie vor wird die Energiewende nicht als System, sondern als Silowirtschaft verstanden. Einzelne Technologien werden gegeneinander ausgespielt, anstatt ein ganzheitliches Denken zu fördern, das auch die Gesellschaft und Wirtschaft miteinbezieht.
  2. Dieses Silodenken zeigt, es fehlt an der gesellschaftlichen Vision. Der Energiewende fehlt, was z.B. bei der Kompogas die Vision der Nährstoffkreisläufe war. Dabei hat gerade der Umbau von zentral zu dezentral das Potential, die Regionalentwicklung grundlegend zu befeuern.
  3. So spielen wir (zu oft) «Schwarzer Peter» und schieben die Probleme hin und her, ohne dass wir eine Strategie für die gesamte Wende haben – und verpassen so die Chancen, die als Potential in der Energiewende angelegt sind.
 

Was wir deshalb aus meiner Sicht brauchen, sind mutige Menschen, die zusammen die Zukunft gestalten wollen. Und nicht die Vergangenheit verwalten. Deshalb braucht es wieder Aufbruchstimmung – und das dort, wo die Energiewende tatsächlich passiert: in den Gemeinden. Denn genau auf Gemeindeebene treffen Energieversorgung, Mobilität, Raumplanung, Wirtschaft und Bevölkerung direkt aufeinander. Und genau dort kann mit systemischem Denken viel Grosses entstehen.

Wir sind bei enovation überzeugt, dass hier der Hebel liegt, um Grosses zu bewegen – unser Playbook «Energiewende» mag dazu ein Baustein sein!

 Danke an Markus Winkler für sein Foto auf Pexels: 

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