Publiziert 4. Oktober 2025, aktualisiert 17. Januar 2026
Ein kleiner Spoiler für Schnellleser: Es braucht nicht immer den grossen städteplanerischen Wurf, um die Menschen ins Zentrum zu bewegen. Das zeigt unser Schulterblick aus Witikon eindrücklich.
Zwei Konzepte, ein Ziel
Zwei Konzepte bringen in die Quartier- und Stadtentwicklung frischen Wind. Sie heissen «Trittsteine» und «Pocket Parks» und haben eines gemeinsam: Es sind kleine Massnahmen, die den Alltag auffrischen, Begegnung schaffen und Veränderung sichtbar machen.
Aber was teilen die beiden? Erstmals starten beide im Kleinen, zweitens sind sie direkt an einen Ort gebunden – und drittens entfalten sie dann ihre grösste Wirkung, wenn die umliegenden Bewohnerinnen und Bewohner einbezogen werden.
Erfolgreiches Doppel
«Pocket Parks» und «Trittsteine»
Pocket Parks: Kleine Parks, wo vorher leere Flächen oder ungenutzte Plätze waren. Oft nur so gross wie ein Grundstück, bieten sie nach der Umgestaltung einen Ort zum Ausruhen, Spielen oder Treffen.
Trittsteine: Kleine Nischen, die zusammen mit anderen niederschwelligen Aktionen einen Strassenzug, ein Quartier oder einen Park beleben. Dann erfolgreich, wenn diese partizipativ geplant und umgesetzt werden.
Im Doppel, oder einzeln: enovation hat das Set-up für beide Konzepte, die gemeinsam oder einzeln ihre Wirkung entfalten und so nicht nur die Aufenthaltsqualität erhöhen, sondern das Quartierleben verbessern.
Ausgangslage
Belebung - unser Beispiel
In unserem Beispiel haben wir die Aufgabe, das Quartier Zürich-Witikon wieder zu beleben. Denn während das Quartier immer mehr Einwohnerinnen und Einwohner zählt, nimmt das Angebot immer stärker ab.
So gibt es aktuell (im Jahr 2025) für die Bevölkerung von rund 11 000 Personen nicht ein Restaurant mehr, das am Abend geöffnet ist und Vereine oder Berufstätige willkommen heisst.
Bildlegende: Wer Menschen erreichen will, muss auffallen. Unsere Plakate und Flyer tragen freche Sprüche, sind individuell (digital) gedruckt – für persönliche, unerwartete Ansprachen (Cringe war ein Catcher
Schulterblick
Ein Ort zum Schlafen - oder Leben?
Die Entwicklung zum Schlafort zieht sich schon über mehrere Jahre hin. Deshalb haben wir auf Basis einer breit angelegten, bereits existierenden Umfrage und mit Blick auf die städtebaulichen Rahmenbedingungen und vorhandenen städtischen Berichte zusammen mit den Fachpersonen eine These entwickelt, an welchen Orten sich Trittsteine umsetzen lassen – und das zwingend gemeinsam mit der wohnenden Bevölkerung.
Unser Leitfaden für Trittsteine
Das Konzept der Trittsteine aus in der Ökologie bekannt und vernetzt kleine Biotope für mehr Biodiversität. Wir haben dieses bei enovation auf den Sozialraum adaptiert, denn aus unserer Erfahrung sind es gerade kleinteilige Interventionen, die einen Strassenzug oder ein Quartier beleben:
- Die Rahmenbedingungen kennen: Was sind die Bedürfnisse aus der Bevölkerung, was sind die (erwarteten) städtebaulichen Entwicklungen in den nächsten Jahren?
- Konzept – das wir leiste wollen: Wir haben ein flexibles Konzept entwickelt, das die Erkenntnisse aus den Analysen als Thesen testet – und gleichzeitig offen bleibt für neue Ideen und Projekte aus dem Quartier (siehe z.B. Dormarkt).
- Kommunikation – keine Wirkung ohne Kreativität: Im Gegensatz zu früheren Initiativen haben wir auf frische Botschaften und aktivierende Aufrufe gesetzt. Denn wer Menschen erreichen will, muss sichtbar sein – und dazu auffallen (auf allen möglichen Kanälen).
- Partizipation auf allen Kanälen möglich machen: Wir haben die Massnahmen so abgestimmt, dass die Menschen sowohl persönlich wie auch digital ihre Ideen einbringen konnten: zu ihrer Zeit, auf ihrem Kanal.
- Aktivierung für Projekte: Ideen haben viele, Mitmachen wollen naturgemäss wenige. Wir wir mehr als 60 Personen aktiviert haben, lesen Sie in unserem Beitrag über die Projektwerkstatt.
Schnelle Erfolge
Hohe Beteiligung, viel Engagement
Die kombinierte Strategie hat sich bewährt, dies lässt sich als erstes Fazit nach sechs Monaten ziehen. So konnten allein am Dorfmarkt (Bild siehe oben) mehr als 40 konkrete Ideen gesammelt werden und es wurden mehr als 80 Bewertungen abgegeben.
Leere Whiteboards? Das muss nicht sein, wie das Beispiel zeigt. Aber auch die Online-Umfrage mit entsprechenden Aushängen oder auch die Möglichkeit, auf einer eignen Projektseite mitzumachen, haben schlussendlich mehr als 60 Personen jeden Alters motiviert, an der Umsetzung mitzumachen.
Dabei zeigt sich einmal mehr, wie wichtig bei komplexen Problemen eine interdisziplinäre Herangehensweise ist. Wer ohne Scheuklappen und offen an die Aufgabe herangeht, findet Lösungen, die sich erst im Gespräch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ergeben – denn sie sind es, die die Nischen mit Leben füllen (werden).
Projektwerkstatt: Beteiligung, die Quartiere verändert
Lesen Sie in diesem Beitrag, wie es mit den Trittsteinen weiter geht.