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Gemeinden im Perspektivenwechsel entwickeln

Die Gemeinden stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Diese zeichnen sich oft dadurch aus, dass viele verschiedene Ansprüche eingelöst werden müssen. Das zeigt sich gut in Nutzungskonzepten für Pärke oder Plätze. So soll nicht nur die Infrastruktur gut unterhalten werden können, es gilt auch Konflikte in der Nutzung zu adaptieren. Neben rechtlichen Anforderungen kommt ein weiterer Punkt hinzu, der durch die Dynamik der gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen kritisch ist: die Zeit. So ist es sinnvoll, grosse Entwicklungen in kleineren Etappen zu realisieren. Ansonsten droht, dass auch ein einfacher Veloweg gut zehn Jahre dauern kann, bis er realisiert werden kann – eine leidvolle Erfahrung, die sich jede Gemeinde gerne erspart.

So gelingen lebenswerte Gemeinden

Wohl ist für alle Gemeinden das Wohnen ein wichtiges Thema, insbesondere auch mit der nötigen Innenverdichtung. Aber auch die Freizeitangebote, der Schulraum oder die alternde Bevölkerung stehen vielerorts ganz oben auf der Agenda. Werden hier die Bewohner:innen oder das Gewerbe frühzeitig einbezogen, können die eigenen Projekte mit breiter Akzeptanz vorangetrieben werden. Werden diese fünf Handlungsfelder berücksichtigt, fliessen die lokalen Bedürfnisse in ein Projekt ein – sei es bei einem neuen Projekt oder auch der Umnutzung:

Fünf Handlungsfelder

# 1 | Nutzungskonflikte ausräumen

Der öffentliche wie der private Raum ist begrenzt. Dabei sind den Gemeinden seit 2010 mit der BZO klare Rahmenbedingungen gesetzt. Gleichzeitig bringt die Individualisierung der Gesellschaft komplexe Ansprüchen an ein Projekt mit sich. Unabhängig davon, ob es sich um die Nutzung von Strassen, einem neuen Schulhaus oder dem Planen von Pärken oder Plätzen geht, ist es für Gemeinden sinnvoll, die verschiedenen Anspruchsgruppen frühzeitig einzubeziehen.

# 2 | Design für und mit Nutzenden

Keine Entwicklung ohne Einbezug der zukünftigen Nutzerinnen, Nutzern sowie allen betroffene Nicht-Nutzenden. Ihr Einbezug ist nicht nur sinnvoll, sondern oft auch erfolgsentscheidend. So entstehen heute an vielen Orten Pump Tracks, wo früher vielleicht auch mal ein Basketball- oder Fussballfeld entstanden wäre. Gleichzeitig sind es oftmals auch nur kleine Verbesserungen, die sich die Nutzer:innen wünschen – sei es ein Sonnenschutz bei einer Parkbank oder eine Grillstelle.

# 3 | Dynamik adaptieren

Die Bedürfnisse der Menschen entwickeln sich mit einer immer grösseren Dynamik. Deshalb kann es sinnvoll sein, bestehende Angebote nach fünf oder zehn Jahren wieder einmal zu bewerten: sei es über Nutzungsanalysen, Befragungen oder interaktiven Formaten vor Ort.

# 4 | Digitalisierung einbeziehen

Die Menschen sind sich je länger, je mehr gewohnt, dass sie sich online informieren, vernetzen und auch Angebote buchen können. Wieso also nicht die Möglichkeiten nutzen, die die Digitalisierung bringt? So lässt es sich bereits heute via App zum Grillplausch abmachen und kann – wenn gewünscht – gleich den Grillplatz oder ein Spielfeld reservieren.

# 5 | Nachbarschaft vernetzen

Was in der überkommunalen Arbeit auf verschiedenen Ebenen bereits vielfach Realität ist (siehe Region «Sarganserland» im Blog hier), fehlt auf der lokalen und nachbarschaftlichen Ebene weitgehend. Da hat sich auch mit dem Ende von Corona noch wenig getan, obwohl gerade da sehr gut sichtbar war, wie wichtig eine gute Nachbarschaft ist. Allerdings kommen solche Initiativen erst dann zum tragen, wenn diese auch gestützt werden.

Fazit - für ein Wachstum mit Identität

Die Schweizer Städte wachsen – und mit diesen auch ihre Agglomerationen. Damit diese nicht zu anonymen Wohnorten werden, braucht es Investitionen in ihre Identität. Damit sich diese auch entwickeln können, braucht es den Einbezug der Bewohner:innen. Dazu gehört es, niederschwellige Kontakt- und Informationsangebote zu machen, welche alle relevanten Stakeholder abholt. Werden diese thematisch oder projektspezifisch mit den Fachpersonen der Gemeinden vernetzt, ist die Basis gelegt, damit die zukünftige Entwicklung zur lebendigen Gemeinde auch gelingt. Das braucht weniger Geld als den Mut, sich gemeinsam auf den Weg zu machen.

Wachstum und Wandel: Was das bedeutet

Die Schweiz wächst – und die Regionen rücken zusammen. Was die Herausforderungen sind, lesen Sie im 1. Teil zum Thema.

Bellinzona: Foto von Patrizia Berta auf Unsplash

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